Apr 2022

Warum machen wir im Ayuryveda eine Panchakarma Kur?

Die wichtigste Intention im Ayurveda ist es, uns immer wieder in unsere Balance zu bringen - Selbstfürsorge für unsere körperliche, aber auch mental-emotionale Gesundheit. Yoga und Ayurveda unterstützen uns gemeinsam darin, die beste Version von uns selbst zu sein/erschaffen.

Oft gehen wir aber in der Hektik des modernen Alltags sowohl mit unserer physischen, aber auch geistig-seelischen Gesundheit nicht wirklich förderlich um. Um nur einige zu nennen: Stress, Reizüberflutung, Multitasking, Zucker, Alkohol, Essen in Eile, ungesunde Ernährungsgewohnheiten und Schlafmangel belasten uns und entfernen uns auf Dauer von unserem natürlichen Rhythmus und unserer Natur.

Wir haben verlernt, auf unsere innere Stimme, für das, was uns gut tut und was wir im Leben brauchen, zu hören.

Resilienz heißt nicht, dass wir nie Stress empfinden, sondern vielmehr, dass wir lernen, damit umzugehen, dass er uns nicht dauerhaft belastet.

Die Ausleitung von Toxinen und Stoffwechselrückständen nimmt im Ayurveda einen hohen Stellenwert ein. Klassische tägliche Reinigungsrituale werde ich dir in meinem kommenden Beitrag vorstellen. Die Panchakarma Kur ist der zentraler Kern der unterschiedlichen Detoxmöglichkeiten, eine tiefgreifende, aber auch anstrengende Reinigung, mit der wir die feinstofflichen Kanäle öffnen und uns in kurzer Zeit mit Ölen, Kräutern und Massagen wieder ins Gleichgewicht bringen können. Sie wird oft auch als „Köngisdisziplin des Ayurveda“ benannt.

Pancha bedeutet auf Sanskrit „fünf“, Karma „Handlung“. Bei uns in Europa werden neben den verschiedenen Massagen und der angepassten Ernährung aus den „fünf Handlungen“ in der Regel meist drei angewendet:
– medizinisches Abführen (Virechana)
– pflanzliche Einläufe (Vasti oder Basti)
– Nasya, die Nasenreinigung

Das ärztliche Erstgespräch

Der/die ayurvedische/r ÄrztIn lässt sich für die gründlichen Diagnose Zeit. Meist dauert das Erstgespräch eine Stunde oder länger und beinhaltet eine ausführliche Anamnese, Puls-, Zungen- und Augendiagnostik und Konstitutionsbestimmung. Anhand dieser Ergebnisse erstellt er/sie den individuellen Therapie- und Ernährungsplan zusammen, abgestimmt auf dein Alter, deine Beschwerden, Grundkonstitution (Prakruti) und der momentan bestehenden Dysbalancen (Vikruti). Das benötigt Zeit, denn das, was sich über Jahre angehäuft hat, kannst du nicht durch drei Tage fasten oder grüne Smoothies loswerden.

Die drei Phasen der Panchkarma Kur

Aktuell bin ich in meiner zweiwöchigen Panchakarma Kur, die sich in drei Phasen gliedert.

In der Vorbereitungsphase wird der Köper darauf vorbereitet, Ama (Stoffwechselrückstände, Umwelttoxine) loszulassen. Dazu wird häufig mediziniertes Ghee für ein paar Tage morgens vor dem Frühstück verabreicht, das tief in die Zellen eindringen kann, dort das Ama bindet und wieder Schritt für Schritt in den Verdauungstrakt transportiert.

Sanftes Yoga mit Pranayama (Atemübungen) und Meditation unterstützt den Prozess. Die Nadis, unsere feinstofflichen Energiekanäle, werden gereinigt und wieder geöffnet, damit die Energie frei fließen kann.

Bei mir sah die Vorbereitungsphase so aus: am ersten Tag morgens eine Arztvisite und den ersten Ghee-Cocktail. Nach einer Padabhyanga (Fußmassage) und Shiroabhyanga (Kopfmassage) hatte ich eine Abhyanga, die Ganzkörper-Ölmassage und danach die erste Nasya-Behandlung. Am nächsten Morgen wieder Ghee, dann folgen eine weitere Nasya, Pinda-Sveda, eine Stempel-Ölmassage und Vasti-Hrid (oder auch Hrid-Basti oder Uro-Basti genannt). Hrid aus dem Sanskrit bezieht sich auf Hridaya, das Herz, Basti bedeutet Behälter, Uro ist die Brust. Es ist demnach ein Ölbad am Herzen, das Verspannungen und Unruhe aus dem Brustbereich entfernt. Mein Hauptproblem ist mein Asthma – hierfür auch sehr beruhigend, denn bei Asthma verkrampft sich die glatte Muskulatur der Bronchien. Am dritten Tag gab es morgens auch wieder Ghee und zum Mittagessen den ayurvedischen Klassiker Kitchari (ein Reis-Mungbohnen-Gemüse-Eintopf). Kitchari ist leicht bekömmlich und wohltuend ausgleitend und entgiftend. Ist auch nach der Kur eine super Gelegenheit, einmal in der Woche als Mini-Detox-Tag beizubehalten.

Nasya Jutta

Warum ich das wundervolle Kopftuch trage? 😉

Nach den Massagen soll der Körper gut warm gehalten werden, damit alle Giftstoffe nun aus den Geweben fließen können. Dementsprechend sieht man hier im Hotel zu allen Tageszeiten Frauen wie Männer mit dieser außergewöhnlichen Kopfbedeckung. :-)))

Rizinus-Öl

Die zweite Phase ist die Ausleitungsphase. Das Ziel der verschiedenen Massagen und Therapien ist es, den Körper optimal auf die Ausleitung der Stoffwechselrückstände, Umweltgifte und anderen Toxine vorzubereiten, um diese über die oben erwähnten „Handlungen“ aus dem Körper auszuleiten und unser Körper-Geist-System wieder zu beruhigen. Der Verdauungstrakt wird nun vom Ama gereinigt – meist mit einem Abführtag und/oder Einläufe. Ich bekam, wie du auf dem Bild siehst, einen kleinen Cocktail mit Rizinusöl. Den Tag verbringst du dann auf deinem Zimmer, dokumentierst die „Eliminationen“ mit Uhrzeit, Konsistenz und Farbe, da dies für die Beurteilung der Entgiftung für die Ärzte sehr wichtig ist.

Ist der Körper erst einmal gereinigt, greifen alle weiteren Therapien besser. Daher kann im Anschluss in der Aufbauphase der Körper wieder sanft und optimal gestärkt werden.

Morgens gibt es das einzige Mal kein Frühstück. Über den Tag verteilt trinkst du 2 – 2,5 l warmes Wasser. Mittags bekommst du aufs Zimmer eine Reissuppe. Somit beginnt hier schon wieder der Aufbau. Zum Abendessen kannst du wieder eine wohlschmeckende und leichte Gemüsesuppe genießen.

Reissuppe

Die dritte Phase ist die Aufbauphase. Sie dauert gut eine Woche mit dem Ziel, Schwachstellen im Körper (bei mir sind es Lunge und Knie mit Arthrose) zu stärken und diese möglichst nachhaltig aufzubauen, dass sie bei kommenden Belastungen nicht so schnell aus der Balance geraten.

In dieser Phase passiert oft auch seelisch ganz viel. Emotionen, die im Gewebe gespeichert sind, werden gelöst. Du kennst die Sätze „da schnürt es mir die Kehle zu“ – „das sitzt mir im Nacken“ – „das lastet mir auf den Schultern“ – „da dreht sich mir der Magen um“ – „das geht mir an die Nieren“ … all das sind Ausdrücke mental-emotionaler Belastungen, die sich körperlich ausdrücken können und irgendwo im Körper festsetzen, wenn Probleme nicht gelöst sind.

Aber auch Entzugserscheinungen von Kaffee, Nikotin belasten den Körper während der Kur. Das kann zu Kopf-, Rückenschmerzen und Müdigkeit führen, was anstrengend ist und teilweise viel Kraft kostet.

In dieser Phase bereitest du dich auch wieder auf dein Leben nach der Kur vor. Welche Ernährungsgewohnheiten du nachhaltig anpassen möchtest und Lifestyleänderungen, damit sich erst gar nicht wieder Ama dauerhaft im Körper ablagert.

Welche ayurvedischen Massagen werden während der Panchakarma Kur angewendet?

Kräuterstempelmassage

Im Ayurveda werden diverse (Öl-)Massagen angewendet, beispielhaft Mukabhyanga (Gesichts- und Oberkörper-Ölmassage), das tiefenentspannende Shirodhara (Stirn-Ölguss), Pizzichil (königlicher Ganzkörper-Ölguss) und die Urdvartana Massage (hier wird kein Öl, sondern medizinische Pulver verwendet). Einige der Massagen werden auch synchron von zwei Therapeuten durchgeführt – ein Genuss! Ölmassagen sind besonders wohltuend, ausleitend und nährend. Wenn ihnen medizinerte Kräuter zugefügt werden, aktivieren sie während der Kur die Muskeln, das Lymphsystem und Fettgewebe, Giftstoffe auszuscheiden. Die Kräuter für die Öle und Massagen werden für dich persönlich und deinen individuellen Therapieplan zusammengestellt.

Steinturm - Balance

Wann wird empfohlen, eine Panchakarma-Kur zu machen?

– für gesunde Menschen eine tolle präventive Massnahme
– bei geschwächten Menschen zur Stärkung der körpereigenen Abwehr
– bei Erkrankungen und schwerwiegenden Symptomen als Therapie – besonders auch präventiv bei Bluthochdruck, Magen-Darm-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht, chronischen Schmerzen, Asthma und Burnout

Im Ayurveda sagt man, dass Krankheiten dann entstehen, wenn unsere Doshas (Bioenergien) im Ungleichgewicht sind. Ein gesunder Körper ist in der Lage, diese Ungleichgewichte auszugleichen, aber, wie oben bereits erwähnt, übersteigt das Maß an Belastungen viele von uns körperlich wie auch mental-emotional.

Während einer Panchakarma Kur kannst du deine Doshas wieder in Balance bringen, und deine Selbstheilungskräfte werden wieder deutlich aktiviert. Nach diesen 14 Tagen fühlst du dich wesentlich vitaler, gesünder und energievoller. Bestehende Gesundheitsprobleme verringern sich. Gleichzeitig kehren Lebensfreude und Leistungsfähigkeit zurück. Du darfst nun schauen, welche Ernährungs- und Lifestyle-Tipps du für dich im Alltag weiterhin anwenden möchtest, um nach deiner Panchakarma Kur in deiner erfüllten Balance zu bleiben. Hier bietet sich auch optimal eine Begleitung durch einen Ayurveda Lifestyle Coach an.

Denn: Ayurveda darf Spaß und Freude machen – es gibt keine Verbote. Es darf schmecken, uns wohl tun und genussvoll sein.

Für mich waren und sind meine (fast) jährlichen Panchkarma Kuren ein wichtiges Tool, um wegen meines Asthmas und nach meinen Lungenentzündungen dauerhaft und intuitiv in meiner Balance zu leben und kleine Dysbalancen zeitnah wieder auszugleichen. Ich fühle mich danach ein wenig wie neugeboren. 🙂

Wenn du Fragen hast, bin ich gerne für dich da – ob es um deine Balance geht oder du deine Lebensgewohnheiten selbst wieder ins Gleichgewicht bringen möchtest.

Erfüllt Intuitiv in Balance
Nach der Massage

Hier geht’s zu meinem ausführlichen Erfahrungsbericht.

Alles Liebe

Deine Jutta

 

 

Bildernachweis: YuttaYoga und Photo Ölmassage (Beitragsbild): Alan Caishan by Unsplash

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