Vata-Zeit im September: was der Wechsel mit deinem Atem macht
Halb drei nachts. Ich bin wach.
Draußen ist es still. In meinem Kopf ist Hochbetrieb. Der Atemletter für Sonntag. Die nächste AtemRäume-Session. Welche Tipps meiner Atemklientin, die gerade etwas durchhängt, helfen können...
Vier Wochen vorher habe ich bei über 30 Grad das ganze Haus verdunkelt und mich nach Abkühlung gesehnt. Und jetzt liege ich hier und friere an den Füßen, während mein Kopf Listen sortiert.
Genau das ist Ayurveda im September.
Die heiße Energie des Sommers (Pitta) zieht sich mehr und mehr zurück. Und überlässt der leichten, luftigen, sehr beweglichen Energie (Vata) immer mehr das Feld. Draußen siehst du es an trockenen Blättern, an Wind und daran, dass wir auf einmal morgens wieder eine Jacke brauchen. Im Innen merkst du es an kreisenden Gedanken, an trockener Nase, wachsender innerer Unruhe und einem Atem, der schneller geht, als er müsste.
Wir sind der Mikrokosmos im Makrokosmos. Was sich draußen verändert, verändert sich auch in dir.
Und dein Atem ist das Erste, was es dir zeigt.
Inhaltsverzeichnis
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Ayurveda im September: Was beim Wechsel von Pitta zu Vata passiert
Der Ayurveda denkt in Qualitäten. Also nicht in Organen, sondern darin, was etwas tut.
Der Sommer ist die Zeit von Pitta, der Bioenergie, die von Feuer geprägt ist: heiß, scharf, intensiv, leicht reizbar. Der Herbst gehört Vata, der Bioenergie aus Luft und Raum: kühl, trocken, leicht, rau, vor allem aber beweglich.
Vata ist Bewegung. Immer.
Der September liegt genau dazwischen. Im Ayurveda gibt es dafür einen eigenen Begriff: Ritusandhi, die Nahtstelle zwischen zwei Jahreszeiten. Die klassischen Texte sagen: Die letzte Woche der alten und die erste Woche der neuen Jahreszeit sind die empfindlichsten Tage des ganzen Jahres. Nicht der Winter macht uns zu schaffen. Der Übergang macht es.
Und der September ist ein besonders wackeliger Übergang. Morgens 11 Grad und windig, mittags 26 bei strahlendem Sommerhimmel, abends fröstelt es erstaunlich früh. Dein Körper stellt sich dreimal am Tag neu ein.
Kurz gesagt: Ayurveda im September heißt Übergang von Pitta zu Vata. Die Sommerhitze steckt noch im System, während draußen schon Kühle, Trockenheit und Bewegung zunehmen. Diese Übergangszeit heißt Ritusandhi und gilt als die anfälligste Phase des Jahres.
Danke, Vata
Ich bin Pitta-Vata. Das heißt: Der Sommer ist für mich sowieso oft herausfordernd.
Meine Wohlfühltemperatur liegt bei maximal 26 Grad. Alles darüber fühlt sich an, als würde mein innerer Wasserkessel anfangen, zu brodeln. Heiße, trockene oder noch schlimmer feuchte Luft lähmt meine Energie als Asthmatikerin enorm.
Dann kommt der September und ich denke: endlich Entspannung.
Von wegen.
Die Hitze steckt noch in mir, während draußen schon das Luftige übernimmt. Ich werde schneller. Ich mache mehr Dinge gleichzeitig. Am Abreisetag unserer Camperreise, habe ich den Kühlschrank beladen, das Haus vorbereitet, die nächste AtemRäume-Session ausgedruckt und den Atemletter gleich für die ganze Reisezeit vorgeschrieben.
Erst nachmittags im Camper, als endlich Ruhe einkehrte, habe ich gemerkt: Mein Atem war eng. Vermutlich schon stundenlang. Aufgefallen war es mir überhaupt nicht.
Mein Atem fand meinen selbstgemachten Stress offenbar überhaupt nicht witzig. Danke, Vata.
Und heute noch, im September 2026, passiert mir genau das. Ich bin Atemcoach, ich bin mittendrin in diesem Thema, und trotzdem merke ich die Anspannung oft erst, wenn ich langsamer werde. Das ist kein Versagen. Das ist menschlich. Entscheidend ist nicht, ob du es sofort merkst. Entscheidend ist, was du tust, sobald du es merkst.
Wie sich der Übergang von Pitta zu Vata auf deinen Atem auswirkt
Hier wird es richtig spannend, weil Vata und Atmung die gleiche Sprache sprechen.
1. Trockenheit trifft deine Schleimhäute. Vata ist trocken. Die Luft wird trockener, dazu kommen Wind und die ersten Heizungstage. Deine Nasenschleimhaut verliert Feuchtigkeit. Sie schwillt an, um sich zu schützen. Du fühlst dich verstopft und atmest durch den Mund. Damit wird alles noch trockener. Eine Schleife, die sich selbst füttert.
2. Die Kühle reizt deine Atemwege. Kühle Luft ist für empfindliche Bronchien ein Thema. Deine Nase ist dafür gemacht: Sie erwärmt die Luft, befeuchtet sie und filtert sie, damit nur das in die Bronchien kommt, was dort hineinkommen soll. Dein Mund kann davon nichts.
3. Bewegung macht deinen Atem schneller. Vata ist Bewegung, und dein Atem ist die sichtbarste Bewegung in deinem Körper. Wenn Vata ansteigt, wird der Atem reflektorisch unregelmäßig, flach und schnell. Es kann sein, du seufzt öfter oder gähnst mehr. Und evtl. atmest du kleine Schlucke Luft oben in der Brust.
Und jetzt der Teil, den fast niemand kennt: Wenn du zu viel atmest, verlierst du das wichtigste Atemgas. Nein, das ist nicht Sauerstoff. Was kaum jemand weiß: es ist das Kohlendioxid, CO₂.
CO₂ ist kein Abfall. Es stellt deine Blutgefäße weit und sorgt dafür, dass der Sauerstoff aus dem Blut überhaupt ins Gewebe abgegeben wird. Das nennt sich Bohr-Effekt. Sinkt dein CO₂ zu stark, verengen sich die Gefäße und dein Gehirn bekommt weniger Sauerstoff, obwohl du mehr atmest.
Das Ergebnis: zu viel Spannung in der Muskulatur. Das Gehirn wird nicht optimal versorgt. Die Verdauung schwächelt. Unruhe. Schwindel. Ein Kopf, der nicht stillsteht.
Also atmest du noch mehr. Und die Schleife dreht sich weiter.
Und nachts? Der Ayurveda teilt den Tag in Dosha-Zeiten ein. Zwischen 2 und 6 Uhr regiert Vata. Wenn du im September ausgerechnet um halb drei wach liegst und dein Kopf Listen sortiert, ist das kein Zufall. Das ist Vata-Zeit, die auf einen ohnehin schon Vata-Monat trifft.
Nasenatmung in der Vata-Zeit: dein bester Schutz im September
Vata liebt drei Dinge: warm, feucht, regelmäßig.
Die Nasenatmung liefert dir alle drei gleichzeitig. Sie wärmt, sie befeuchtet, und sie zwingt deinen Atem in einen ruhigeren Rhythmus, weil der Weg durch die Nase mehr Widerstand hat als durch den Mund.
Dazu kommt etwas, das deine Nase ganz allein kann: Sie produziert Stickstoffmonoxid. Ein Gas, das deine Atemwege weit stellt und Keime in Schach hält. In der Frühgeborenenmedizin wird es im Brutkasten zugeführt, damit sich die Lungen der Kleinen öffnen. Deine Nase macht das bei jedem Atemzug gratis.
Jeder Atemzug durch den Mund lässt diese Werkstatt links liegen.
Deshalb ist meine Position hier sehr klar, auch wenn sie unbequem ist:
Der Rat „atme tief durch“ ist beim ansteigenden Vata oft das Gegenteil von hilfreich. Große Atemzüge bewegen noch mehr Luft, blasen noch mehr CO₂ ab und machen die Unruhe größer.
Gemeint ist meistens etwas anderes: langsamer werden. Sag das dann auch so.
5 Tipps für den September im Ayurveda: so bleibst du im Wechsel stabil
- Die Atempause nach der Ausatmung. Atme ruhig durch die Nase ein. Lass die Ausatmung einfach geschehen. Und dann warte. Zwei bis drei Sekunden, ohne Anstrengung, kein Luftanhalten, nur warten bis zum nächsten Einatemimpuls. Dann atme normal weiter durch die Nase. Sechs bis acht Runden. Diese kleine Atempause hebt dein CO₂ sanft an und ist mein schnellster Weg zurück in die Ruhe. Auch nachts um halb drei.
- Die BIG FIVE als Tagesbegleiter. Durch die Nase, nach unten in den Bauch (Zwerchfellatmung), leise, langsam, losgelassen. Die ausführliche Anleitung findest du in meinem Leitfaden zu den BIG FIVE.
- Öl für die Nase. Ein Tropfen warmes Sesamöl in jedes Nasenloch am Morgen, mit dem kleinen Finger sanft verteilt. Im Ayurveda heißt das Nasya. Es hält deine Schleimhäute geschmeidig, wenn Heizung und Herbstwind an ihnen ziehen. Du kannst Sesamöl, Babyöl, Mandelöl oder ein spezielles ayurvedisches Nasenöl (Nasya) verwenden.
- Rhythmus schlägt Perfektion. Vata beruhigt sich über Regelmäßigkeit, nicht über gute Vorsätze. Iss warm. Iss zur gleichen Zeit. Geh zur gleichen Zeit ins Bett. Das klingt unspektakulär und ist die wirksamste Vata-Medizin, die ich kenne.
- Der Wärme-Check am Morgen. Bevor du aufstehst, frag dich einen Satz lang: Ist heute eher Hitze und Gereiztheit da? Oder Unruhe, Trockenheit und ein Kopf voller Gedanken? Du musst daraus nichts machen. Wahrnehmen genügt fürs Erste.
Klingt simpel. Ist simpel. Probiere es aus!
Häufige Fragen zum Ayurveda im September
Warum fühle ich mich im September plötzlich so unruhig?
Weil draußen Vata zunimmt: kühl, trocken, beweglich. Diese Qualitäten wirken auch in dir. Dazu kommt die Übergangsphase Ritusandhi, in der sich dein Körper mehrmals täglich neu einstellen muss. Meine Erfahrung zeigt: Wer den Atem in dieser Zeit ruhig hält, kommt deutlich stabiler durch den Monat.
Ist der Herbst im Ayurveda Vata- oder Pitta-Zeit?
Der Herbst macht sich bei uns mit Wind, Kühle und Trockenheit bemerkbar. Also den Eigenschaften, die ganz typisch für Vata sind. Das zieht sich bis in den frühen Winter hinein.
Welche Atemübung hilft bei Vata-Unruhe am besten?
Die eine beste Übung gibt es nicht. Für die meisten meiner Klientinnen ist die ruhige Nasenatmung mit verlängerter Ausatmung und einer kleinen Atempause danach der verlässlichste Einstieg. Große, tiefe Atemzüge verstärken die Unruhe eher.
Warum ist meine Nase im Herbst ständig verstopft?
Trockene Luft, viel Wind und Heizung reizen die Schleimhaut. Sie schwillt an, um sich zu schützen. Wer dann auf Mundatmung umsteigt, verstärkt die Trockenheit. Nasya-Öl und konsequente Nasenatmung unterbrechen diesen Kreislauf.
Warum wache ich nachts oft zwischen zwei und drei Uhr auf? Im Ayurveda ist die Zeit von 2 bis 6 Uhr die Vata-Phase des Tages. Trifft sie auf einen vata-lastigen Monat, wird Aufwachen häufiger. Mehr dazu in meinem Artikel wie dein Atem deinen Schlaf verändert.
Fazit: Ayurveda im September, Vata und dein Atem
Der September ist kein schwieriger Monat, weil mit dir etwas nicht stimmt. Er ist schwierig, weil dein Körper gerade sehr viel Anpassungsarbeit leistet.
Pitta geht. Vata kommt. Dazwischen liegt dein Atem, und der zeigt dir als Erstes, wo du stehst.
Eine ehrliche Grenze gehört dazu: Der Atem heilt keinen Herbst und keine Jahreszeit. Er ist dein Zugang zu dem Nervensystem, das all das steuert. Und genau da kannst du etwas bewegen. Eine schnelle Lösung gibt es nicht, eine verlässliche schon.
Und der Ayurveda möchte nicht, dass du sofort alles optimierst. Er möchte, dass du wieder wahrnimmst.
Jetzt interessiert mich sehr: Wie geht es dir gerade im Wechsel? Merkst du die Unruhe eher in deinen Gedanken, in deinem Bauch oder in deinem Atem? Und was hat dir bisher im September wirklich geholfen? Schreib es mir gern in die Kommentare. Ich lese wirklich jeden einzelnen.
Atementspannte Grüße
deine Jutta
Die AtemRäume: dein Platz für Balance im Wandel
Einmal im Monat treffen wir uns live in den AtemRäumen. 60 Minuten, mit Zeit für deine Fragen. Inklusive 30 Tage Replay.
Übergänge wie dieser sind dort immer wieder Thema. Wie du im Wandel deinen Boden behältst, mit dem Atem und mit Ayurveda. Und weil Vata die Bewegung in dir ist, gehört alles dazu, was sich in dir bewegt. Dein Atem. Deine Gedanken. Deine Verdauung.
Nach der Session ist vor der Session. Schau einfach, wann wir uns das nächste Mal treffen.
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